Praxistest: Ein Tag mit dem HTC 7 Mozart Windows Phone

Letzten Freitag habe ich probiert, den ganzen Tag mal nur das HTC 7 Mozart zu benutzen und das iPhone 4 einfach links liegen zu lassen.

Erster Schritt: Podcasts und Musik per Windows Phone Connector vom iTunes des iMacs auf das HTC 7 Mozart überspielen.
Knapp 6 GB wurden auf das Windows Phone überspielt, gut 10 Minuten hat das gedauert.
Seltsam nur:
Das Überspielen der Daten war im Prinzip fertig („100 %“), aber der Sync-Balken war nicht ganz am Ende angekommen und auch die Software war der Meinung, dass der Sync noch nicht fertig sei.
Nun ja, nach weiteren 15 Minuten hab ich das Telefon dann einfach mal abgestöpselt. Musik und Podcasts wurden auf jeden Fall auf das Telefon kopiert.

Im Bus bzw. in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit habe ich dann erst einmal Twitter angeworfen und geschaut, was die Timeline so sagt.
Beide Twitter-Clients (Seesmic und die offizielle Twitter-App von Twitter selbst) hatten da irgendwie Probleme, die Timeline zu laden.
Also doch mal kurz das iPhone rausgeholt und nachgesehen, ob es an Twitter liegt, oder ob da irgendwas anderes faul ist.
Resultat: Über Echofon auf dem iPhone lief Twitter ganz normal.

Nun ja, iPhone also wieder weg und erstmal ’nen Podcast gestartet.
Das klappte wunderbar, die Kopfhörer des HTC 7 lieferten einen guten Sound. Nur sind die Kopfhörer irgendwie sehr groß und passen nur unbequem in meine (eigentlich nicht sehr kleinen *g*) Ohren.

Während meine Ohren nun also mit ’nem Podcast beschallt wurden, habe ich es nochmal mit Twitter versucht.
Gut: Da der Zune-Player eine Microsoft-App ist, kann diese im Hintergrund weiterlaufen.
Dritthersteller-Apps haben dieses Privileg hingegen nicht, es gibt kein Multitasking.
Aber wie gesagt: Twitter nochmal angeworden und diesesmal klappte es einwandfrei, die Verbindung in die Twitterwelt stand und die Timeline füllte sich. 😉

Allerdings gefallen mir weder Seesmic noch die offizielle Twitter-App besonders.

Kann sein, dass ich einfach nur Echofon gewohnt bin, aber solche Dinge wie z.B. dass nicht der erste ungelesene Tweet angezeigt wird sondern einfach zum aktuellsten Tweets gecsrollt wird, das fande ich schon sehr unkomfortabel. Auch gibt es keine Push-Benachrichtigungen.

Ebenfalls unkomfortabel fande ich das Scrollverhalten der Dritthersteller-Apps.

Beim Scrollen gab es krasse Ruckler, teilweise weite „Sprünge“, z.B. beim Durchscrollen der Twitter-Timeline.

Was auch sehr störend war: Scrollt man durch die Timeline, passiert es sehr leicht, dass das Scrollen schnell mal als „Wipe“ nach links oder rechts interpretiert wird und man zu den Replies oder anderen „Rubriken“ rüberflutscht.

Das passierte mir mindestend vier, fünf Mal, irgendwie reagierten die Apps da sehr empfindlich auf die leichten Seitwärtsbewegungen (die eigentlich gar keine waren).
Nun ja, nach einer etwas längeren Eingewöhungsphase hatte ich nun also auch Twitter im Griff.

So, die Bereiche Twitter und Podcasts (bzw. Musik) sind schonmal abgedeckt.
Mittlerweile bin ich am Düsseldorfer Hauptbahnhof angekommen und die dortige Wartezeit überbrücke ich in der Regel mit meinem Powerbook.
Per iPhone-Tethering bin ich mit dem betagten Apple-Notebook auch dann online, wenn der chronisch überlastete Telekom-Hotspot am Bahnhof mal wieder „out of order“ ist.
Der Haken beim HTC 7 Mozart: Windows Phone 7 bietet keine Tethering-Funktion, das Telefon kann leider nicht als Modem genutzt werden. Schade!

Ebenfalls in die Rubrik „Schade“ gehört momentan noch der Markplatz (bzw. „Marketplace“):

Wie schon in einem vorherigen Blogpost zum Windows Phone geschrieben, bin ich der Meinung, dass es sehr stark davon abhängen wird, wie sich das Angebot auf dem Microsoft Marketplace entwickeln wird.
Und momentan sieht es dort einfach noch zu mau aus.
Dort gute Software zu finden ist sehr schwierig. Dabei möchte ich noch nicht einmal sagen, dass es keine gibt.
Man findet sie nur einfach nicht.
Es gibt zwar Rubriken, aber die tragen nicht unbedingt zur besseren Orientierung bei.

Und besonders schlimm finde ich die Suchfunktion:

Gibt man im App-Bereich einen Suchbegriff ein, werden nicht nur Apps aufgelistet, sondern auch alle Musikstücke, die auch nur im entferntesten etwas mit dem Begriff zu tun haben.
Und da kommt dann eine einfach nur ewig lange Liste bei heraus, die nicht wirklich nützlich ist.
Den Marketplace muss Microsoft auf jeden Fall noch kräftig optimieren.

Apropos Optimierung:

Normalerweise gucken sich die Firmen ja immer auch ein bisschen bei der Konkurrenz um und schauen, was die Gutes im Angebot haben und was man in das eigene Produkt integrieren könnte.
Und sowohl Apple als auch Microsoft (und noch viele andere Firmen) sind ja in der Regel schnell beim „Abgucken“ dabei.
Umso unverständlicher, dass Microsoft nicht die drei Dinge in ihrer aktuellen Windows Phone-Version hat, die beim iPhone „damals“ am meisten gefordert wurden:
Tethering, Copy&Paste und Multitasking (und wenn es nur solch ein „Fake-Multitasking“ wie beim iPhone wäre).

Ok, genug geschimpft, kommen wir   nun mal wieder zu etwas positiven:
Das Telefon hat ein integriertes UKW-Radio. Dieses Feature finde ich ganz praktisch, so kann man auch ohne Datenverbindung mal kurz in die Nachrichten oder so reinhören.

Das Motto für diesen Tag war ja eigentlich „Ein Tag mit dem HTC 7 Mozart„.
Leider wurde es mit dem ganzen Tag nichts, die Akkulaufzeit hat da einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Morgens um 06:45 Uhr hab ich das HTC 7 Mozart vom Ladegerät genommen und bin aus dem Haus, um 14:15 Uhr ging das Telefon nach gut 7,5 Stunden aus. Irgendwie nicht so befriedigend. 🙁

Aber wo wir gerade beim Akku und dessen Laufzeit sind:
Während Apple den Akku fest im Telefon verbaut hat, ist der Stromspeicher beim HTC 7 Mozart austauschbar.
Dieser Punkt ist für Leute interessant, die viel unterwegs sind und nicht immer und überall ein Ladegerät dabei haben können/wollen. In meinen Augen eine praktische Sache.

Natürlich kann man nun sagen, dass es unfair ist, dass HTC 7 Mozart mit dem iPhone 4 zu vergleichen.
Aber andererseits: Genau diesem Vergleich müssen sich HTC und Microsoft stellen.
Beide Telefone sind von der Aufmachung und vom Konzept her miteinander vergleichbar (Touchscreen, Apps & Marktplatz, Video- und Musikplayer etc.).
Während das iPhone sich mehr an die Apple-User richtet, zielt das Windows Phone auf die Windows-User ab. Beides verständlich und auch gerechtfertigt, das merkt man alleine schon recht deutlich an der Anbindung des jeweiligen Gerätes an den entsprechenden Rechner-Gegenpart.

Ach ja, ein nervige Sache ist mir noch aufgefallen:
Die virtuelle Tastatur lässt sich wunderbar bedienen. Was aber sehr verwirrend ist, ist, dass das Layout in bestimmten Situationen und je nach Anwendungszweck leicht „modifiziert“ wird. So kann es durchaus passieren, dass unten mal spontan eine kleine Buttonleiste „angeflanscht“ wird und sich das Tastaturlayout dadurch verändert. Zwar nur geringfügig, aber das kann je nach Anwendung durchaus stören.

Insgesamt finde ich das Design der Bedienoberfläche schick, es gibt einige feine Details.
Zum Beispiel, dass im Kalender-App-Logo (im „WP7-Slang“ auch „Kachel“ genannt) und im Lock-Display der nächste Termin einblendet wird.
Als iPhone-User muss man sich zwar ersteinmal an das etwas andere Bedienkonzept gewöhnen, aber nach ein, zwei Tagen klappt das ganze wunderbar.

Fazit:

Das HTC 7 Mozart mit Windows Phone OS 7 hat auf jeden Fall Potential.

Es gibt einige gut gelöste Dinge, aber auch ein paar nervige Details.

Microsoft muss noch eine Menge Feinschliff betreiben.
Und höchste Priorität sollte bei MS der Marketplace haben.
Sowohl was die Struktur angeht, als auch inhaltlich.
Auch im AppStore von Apple gibt es jede Menge Müll – ohne Zweifel.
Aber im Gegensatz zum WP7-Marketplace gibt es dort etliche Perlen, egal ob Spiel, Dienstprogramm oder sonstiges.
Was ich auch nicht so ganz verstehe, ist die Preispolitik im Microsoft-Store:
Während „Flight Control“ auf dem iPhone gerade einmal € 0,79 kostet, werden Windows Phone User mit knapp drei (!!) Euro zur Kasse gebeten.

Ich persönlich werde weiterhin beim iPhone bleiben.
Zum einen sicherlich, weil ich mich an das Apple-Telefon gewöhnt habe, zum anderen aber auch, weil mir beim Windows Phone einfach noch zuviele Dinge fehlen und/oder zu unausgereift sind.

Die (Weiter)Entwicklung des Windows Phones werde ich aber auf jeden Fall im Auge behalten, das Telefon darf ich ja netterweise nach der Telekom-Testpilotenphase behalten.

Microsoft hat einen guten Grundstein gelegt, die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, ob sie eine attraktive Alternative zum iPhone schaffen, oder ob sie das Projekt versemmeln. Ich bin auf jeden Fall gespannt.

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: datenhamster.org » HTC 7 Mozart

  2. Nein gibt es nicht nur den musikplayer kann man weiterlaufen lassen mehr nicht

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