Kickstarter, Startnext & Co: Meine Crowdfunding-Erfahrung

Crowdfunding ist seit Monaten ziemlich angesagt in der Netzgemeinde und nahezu täglich gibt es irgendwelche coolen und interessanten Projekte, die sich unterstützenswert anhören.

Aber was ist Crowdfunding eigentlich?
Im Prinzip ein recht interessantes und sinnvolles Finanzierungskonzept: jemand hat eine Projektidee, aber ihm fehlt das Geld um diese Idee umzusetzen. Nehmen wir als Beispiel einfach mal einen Kurzfilm. Der Filmmensch hat zum Beispiel bereits ein Drehbuch, das Filmkonzept steht und er braucht Summe X, um den Film umsetzen zu können.

Nun stellt er seine Filmidee als Projekt auf (z.B.) Kickstarter.com ein und beschreibt auf dieser Plattform kurz (oder auch etwas ausführlicher) was er vor hat: Inhalt des Films, wieviel Geld er braucht, eventuell eine Seite aus dem Drehbuch, vielleicht hat er sogar schon einen kurzen Trailer der Geschmack auf den Film macht oder ein Storyboard etc. – je genauer und besser er seine Idee bzw. das Konzept beschreibt, desto höher ist die Chance, dass die Leute sein Projekt finanziell unterstützen.

Und unterstützen können die Leute das Projekt dann mit unterschiedlichen Summen, die der Macher beliebig festlegen kann. Als Anreiz gibt es für die Spender dann in der Regel ein „Dankeschön“, welches natürlich um so größer ist, je mehr man für das Projekt spendet. So könnte man zum Beispiel bei dem Filmprojekt festlegen, dass jeder, der mindestens 10 Dollar spendet, im Abspann des Films erwähnt wird. Spendet man 30 Dollar, bekommt man eine DVD des Films. Oder wer 1000 Dollar spendet, bekommt einen kleine Gastauftritt im Film. Und dazwischen kann es dann noch alles mögliche geben, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Diese Art der Finanzierung finde ich super. Beide Seiten haben etwas davon und es entstehen viele tolle Dinge, die es sonst nicht gegeben hätte.

Ich selbst habe bisher sieben Projekte unterstützt und fast nur positive Erfahrungen gemacht:

Die Videospiele sind alle etwas langwierigere Projekte, aber auf den jeweiligen Projektenseiten werden die Fortschritte immer recht gut dokumentiert. Man erfährt, wie gerade Stand der Dinge ist, wo es aktuelle Probleme gibt oder wenn irgendwelche „Meilensteine“ erreicht wurden. Natürlich wartet man ganz ungeduldig darauf, dass das jeweilige Spiel endlich fertig wird, aber es ist auch sehr spannend, auf der Seite die einzelnen Stufen der Entwicklung zu verfolgen. Man kann recht genau nachverfolgen, was mit dem Geld passiert, welches man gespendet hat.

Während z.B. die Spiele „Double Fine Adventure„, „Shadowrun Returns“ und „Shadowrun Online“ noch recht am Anfang sind und es bisher nur Screenshots und/oder kurze Videotrailer gibt, ist man bei „Castle Story“ schon einen großen Schritt weiter: dort kam am 18. Oktober 2012 der Prototyp des Spiels heraus. Jeder, der dort 25 Dollar oder mehr gespendet hatte, kann sich seitdem den Prototypen runterladen und das Spiel in diesem Status ausprobieren (das war zum Beispiel auch eine Dankeschön-Option, die, die weniger gespendet hatten müssen noch warten, bis die erste Beta-Version erscheint).

Castle Story - Mail

Super hat zum Beispiel auch das Kickstarter-Projekt mit dem Raumanzug von Final Frontier Design funktioniert. Das Team konstruiert einen richtigen Weltraumanzug und war auch auf der Suche nach Geld, um ihre Idee und ihr Konzept umzusetzen. Ich habe die Leute mit ein paar Dollar unterstützt, da mich das Thema „Raumfahrt“ eh sehr interessiert und sich das Projekt super angehört hat.
Als Dankeschön bekam ich eine Postkarte und einen Stoffaufnäher, welcher später auch auf dem Raumanzug sein wird. Ein nettes Gimmick. Und es hat erstaunlich gut geklappt, ich hatte zuerst etwas Bedenken, dass das mit dem Versand aus den USA nicht so klappt oder das Zeugs irgendwo hängen bleibt oder so.
Aber: es hat alles wunderbar funktioniert, auch wenn die Amerikaner wohl ein paar Probleme mit dem „Ö“ in meiner Postadresse hatten. 😉 Der Aufnäher ziert jetzt eingerahmt meinen Büroschreibtisch.

Space Suit Dankeschön

Space Suit Patch

Sehr cool war auch der Hackerspace-Workshop in Bagdad. 27.500 Dollar wurden benötigt um dort einen Workshop zu veranstalten. Das Team hat echt fleißig gesammelt und konnte kurz vor Ablauf der Frist das Projekt erfolgreich finanzieren. Kurz nach Fristende war dann auch schon die erste Dankesmail von Bilal Ghalib im virtuellen Postfach, das ging ruckzuck und man las die Euphorie und Freude über den Erfolg förmlich aus der Mail heraus. 😉

Insgesamt versuchen natürlich alle Crowdfunding-Projekte möglichst viel Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Das Projekt soll ja ein Erfolg werden. Dazu werden nahezu alle Kommunikationskanäle genutzt: Facebook, Twitter, ADN und so weiter. Manche Projekte profitieren auch von prominenten Namen. So steckt hinter dem Spiel „Double Fine Adventure“ niemand geringerer als Tim Schafer, einem der Videospiele-Veteran überhaupt (er hat zum Beispiel „Day of the Tentacle“ gemacht).

Schön ist, wenn man nach erfolgreicher Finanizierung des Projektes dann auch von den Machern auf dem Laufenden gehalten wird. Auf den Crowdfunding-Seiten des jeweiligen Projektes kann dies schnell und einfach geschehen und die meisten Projekte werden dort durch regelmäßige Updates schön dokumentiert. Es ist spannend zu sehen, wie sich die Dinge entwickeln und wie das jeweilige Projekt sich dem Ende nähert.

Blöd ist jedoch, wenn plötzlich keine Kommunikation mehr stattfindet, nachdem das Geld für das Projekt eingesammelt wurde. So ging es mir beispielsweise bei dem Lesefutter-Projekt von Natalie Schöttler und Konstantin Seefeldt. Im Vorfeld wurde man über alle Kanäle fleißig informiert – nach erfolgreicher Finanzierung herrscht nun aber eher Funkstille. Auf der Projektseite ist es sehr still geworden, die letzte Information dort ist ein Blogpost vom 03. August, in dem kurz mitgeteilt wird, dass man die Bachelor-Arbeit (das war das Buchprojekt) bestanden hat und sich nun an die Dankeschön-Geschenke für die Unterstützer setzt. Das war vor  mittlerweile mehr als zwei Monaten. Auf zwei Nachfragen hin kam nur der Hinweis, dass man dran arbeite.

Lesefutterziele

Nun gut, der Informationsfluß ist recht zäh bzw. man wird immer weiter vertröstet – schade eigentlich, das Projekt hörte sich gut an. Und wenn man bedenkt, dass selbst Teams aus Amerika und dem Irak schneller reagieren, dann ist das schon etwas befremdlich und man fragt sich, wo das Problem liegt. Aber nun gut, vielleicht kommt da ja noch was. Dabei geht es ja nicht nur um das Dankeschön – viel interessanter wäre ja zu sehen, was jetzt genau bei dem Buchprojekt rausgekommen ist. Geplant war ja eine Miniauflage von 10 Exemplaren, sowie eine Ausstellung. Vom Buch gibt es zwar auf dem Blog zum Projekt ein paar Fotos zu sehen, aber einen wirklichen Eindruck vom gesamten Projekt bekommt man leider nicht. Auch eine Dokumentation der Ausstellung scheint es nicht zu geben, das wäre bestimmt auch eine interessante Sache gewesen. Hier sind andere deutlich fitter und innovativer.

Fazit:
Ich habe bisher sieben Projekte unterstützt und im großen und ganzen hat das alles super geklappt. Das ausgerechnet das Projekt aus Deutschland etwas schwächelt – nun ja, das ist wohl eher Zufall. Ich kann nur jeden ermutigen, Crowdfunding-Projekte zu unterstützen. Und keine Angst, auch wenn die Projekt-Teams am anderen Ende der Welt sitzen: das klappt schon. Bestes Beispiel dafür ist ja z.B. der Hackerspace-Workshop im Irak.

Gerade für kreative Projekte ist Crowdfunding eine tolle Möglichkeit der Finanzierung und die sieben oben genannte Projekte waren bestimmt nicht meine letzten.

[ezcc]

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Crowfunding ist eine tolle Sache!

    Ich hab schon einiges via Startnext „gefördert“ und schon ein paar Goodies erhalten. Mal war es eine Postkarte von einem Projekt aus Griechenland und demnächst folgen noch tolle Fotobücher.

    Spannend für mich als Maulwurf’n Fan (Rene Marik) ist das aktuelle Projekt „Sein oder nicht’n Gaage“ bei Startnext, welches trotz eines Volumens von 100.000 Euro schon 50% erreicht hat. Also, wenn Ihr demnächst ein paar Leute mit dem T-Shirt „Producer“ seht, wisst Ihr woher es kommt.

    Mein Fazit: Mitmachen und das ein oder andere Projekt unterstützen!

  2. Pingback: Kickstarter, Startnext und Co: Meine Crowdfunding-Erfahrung, knapp ein Quartal später | indanett.de – Nicos Multimedia-Blog

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